Diabetes Geschichten aus Kambodscha

Frau Peng

ist ca 40 Jahre alt. Sie ist alleinerziehnde Mutter zweier Kinder. Sie verkauft Früchte auf der Strasse. Das geht so: jeden Morgen kauft sie ca 20 kg Früchte ein. Diese Früchte lädt sie in einen grossen flachen Korb, den sie auf dem Kopf trägt. So läuft sie in der Stadt umher, bis jemand sie stoppt, um einige Früchte bei ihr zu kaufen. Sie tut das so lange, bis ihr Korb leer ist. So läuft sie täglich mehrere Stunden und viele Kilometer durch die ganze Innenstadt, hin und zurück. Sie lebt mit ihren Kindern in einer kleinen Hütte in einem Armenviertel von Phnom Penh.


Frau Peng ist seit 2006 Mitglied von MoPoTsyo. Damals wurde in einer Screening-Aktion  ihr Diabetes entdeckt. Diabetes-Screening bei MoPoTsyo wird so gemacht: die Leute kaufen beim Peer Educator einen Urinzucker-Streifen für 0,03 USD und werden angewiesen, 3 Stunden nach der nächsten Essen Wasser zu lösen und den Teststreifen  in den Urin zu tauchen. Wenn nach 30 Sekunden eine Farbänderung auftritt, bedeutet das: Urinzucker positiv. Die Betroffenen melden dies dem Peer Educator. Dieser misst dann den Blutzucker morgens nüchtern mit seinem Blutzucker-Messgerat und kann so die Diabetes-Diagnose stellen. Grund für dieses Vorgehen ist die Tatsache, dass die Urinzuckerteststreifen 10-15 mal billiger sind als ein Blutzucker-Teststreifen: so ist die Untersuchung für jedermann erschwinglich. Dieses billige 2-Stufen-Screeing bewährt sich in Regionen mit grosser Armut.

Frau Peng wurde durch die Diabetes-Diagnose völlig überrascht. Frau Peng ist dünn: Ihr BMI liegt unter 20. Typ 2-Diabetes  in Kambodscha tritt mit hohen Blutzuckerwerten auch bei  sehr schlanken Leuten auf: rund die Hälfte der Mitglieder von MoPoTsyo  hat einen BMI unter 23.

Durch den Peer Educator wurde sie dann über diese Krankheit und die notwendigen Behandlungsschritte  - diabetes-gerechte Ernährung und körperliche Aktivität – informiert. Zusammen mit andern Diabetes-Erkrankten wurde mit dem Peer Educator ausgiebig über die Umsetzung dieser Massnahmen diskutiert. Frau Peng  realisierte den positiven Effekt der Bewegung bei ihrer täglichen Arbeit.  Ihr anstrengender Tagesablauf reichte aber nicht aus, um ihren Diabetes unter Kontrolle zu bringen. Sie muss zusätzlich Diabetes-Medikamente einnehmen.

Für 5 USD wurde Frau Peng Mitglied bei MoPoTsyo. So bleibt sie in Kontakt mit dem Peer Educator, und sie bezieht ihre Medikamente durch MoPoTsyo zu einem fairen Preis von USD 2,25.-/Monat: diese Summe - deutlich tiefer als die Medikamente im freien Handel - kann von den allermeisten Leuten aufgebracht werden. Frau Peng erfährt, dass sie auf diese Weise ihr hartes Leben besser bewältigen kann.

 

Pov Sothearin

ist 1983 geboren. Sein Vater starb im Bürgerkrieg in den 80er Jahren, seine Mutter musste ihn und seinen Bruder allein durchbringen. Rin war immer tüchtig und klug: nach Schulabschluss fand er Arbeit als Security Guard, später als Lagermitarbeiter. Seit 2004 aber war er zunehmend erschöpft, litt an Durst und verlor dauernd an Gewicht. Ein Diabetes wurde festgestellt. Medikamente waren zu teuer, man versuchte es mit traditioneller Khmer-Medizin – ohne Erfolg. Später dann doch Tabletten – ohne Erfolg. Mehr war für seine Familie finanziell nicht möglich, man gab ihn auf. Rin wog mittlerweile noch 40 kg, er war zu schwach, um zu arbeiten. In seiner Not wandte er sich an eine renommierte Diabetes-Klinik in Phnom Penh. Die Kosten dort konnte er nicht bezahlen, aber er traf auf eine Ärztin, die ihn zu MoPoTsyo schickte.


Damit begann für ihn ein neues Leben: er bekam Verständnis, eine Diabetes-Schulung und Insulin. Er erstarkte rasch, und nun engagierte er sich selbst bei MoPoTsyo: er wurde einer der ersten Peer Educators. Bis 2017 trug er die Hauptverantwortung für die Ausbildung und Begleitung der ständig wachsenden Schar der Peer Educators.

Inzwischen hat sich  seine private Situation verbessert: er hat eine Frau mit zwei Kindern geheiratet und wurde in ihrer Familie voll laufgenommen. Auf eigene Kinder hat er verzichtet, wegen seines Diabetes, so wie es in Kambodscha gängig ist. Niemand will Kinder mit Diabetes-betroffenen Partnern/innen. Jetzt wird er sich mehr im Geschäft seines Schwiegervaters engagieren. Trotzdem bleibt er bei MoPoTsyo aktiv: die Verantwortung für die Peer Educators trägt er nun zusammenmit einem Kollegen.